Bürgermeister kündigt öffentlich den Kauf der kleinen Grabkapelle in Oberbauerschaft an

Veröffentlicht am 18.04.2021 in Allgemein

SPD-Fraktion vermisst Unterrichtung des Rates, sieht offene Fragen, macht Vorschläge und bietet Zusammenarbeit an

Eine kleine Grabkapelle im Wald am Wiehengebirgsweg in Oberbauerschaft ist über die Grenzen von Hüllhorst hinaus in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt. In einem kürzlich ausgestrahlten Beitrag in der WDR-Lokalzeit hat Bürgermeister Michael Kasche den Kauf der zu einer privaten Begräbnisstätte der Familie von Bodelschwingh gehörenden Kapelle durch die Gemeinde in Aussicht gestellt.

 

Doch vor dem Kauf des in die Jahre gekommenen Bauwerks sieht die SPD-Fraktion noch Klärungsbedarf, zumal durch die WDR-Berichterstattung der Bau der sogenannte Lehmkapelle nach Kriegsende mit der damaligen SS Division „Nordland“ in Zusammenhang gebracht wurde. Dieser Darstellung soll aber zwischenzeitlich aus dem Umfeld der Familie von Bodelschwingh deutlich widersprochen worden sein.

 

„Wir hätten uns gewünscht, dass die gewählten Vertreter des Rates vor Ausstrahlung des Fernsehberichts über die Pläne zum Kauf der Kapelle unterrichtet worden wären “, so die Sozialdemokraten in einem an den Bürgermeister adressierten und vom Fraktionsvor-sitzenden Frank Picker unterzeichneten Schreiben. Darin werden eine historische Bewertung der Kapelle sowie eine Untersuchung der genauen Umstände, wer sie tatsächlich erbaut hat, angeregt.

 

Zudem wird vorgeschlagen, den zuständigen Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) aus Münster zur Prüfung des Denkmalwertes des Gebäudes und der Ruhestätte hinzuzuziehen. Weiterhin gelte es mögliche Folgekosten wie die Instandhaltung, Zuwegung oder eine Ausschilderung für Besucher zu ermitteln und die Frage zur Inanspruchnahme von möglichen Fördermittel zu prüfen.

 

 

Für den Fall, dass sich die im Filmbeitrag geäußerte Vermutung tatsächlich bestätigen sollte, dass SS-Angehörige in den Bau der Kapelle involviert waren, stellen wir vorsorglich den Antrag, an diesem Ort eine Gedenktafel oder einen Gedenkstein für die Opfer des Nationalsozialismus anzubringen, ergänzt Fraktionskollege Alfred Krause.

 

Aus Sicht der beiden Sozialdemokraten sollte nach Klärung der Fragen über ein Gesamtkonzept zu einer möglichen Nutzung dieser historischen Stätte zusammen mit dem LWL oder anderen Experten nachgedacht werden. „Für eine sachorientierte Diskussion und Mitarbeit steht die SPD zur Verfügung“, bieten Picker und Krause eine Zusammenarbeit an.

 

Auf dem Familienfriedhof wurde 1944 der in der Region als „Lehmpastor“ bekannte Pfarrer Gustav von Bodelschwingh beigesetzt. Nach Kriegsende wurde die kleine Kapelle in der von ihm praktizierten Lehmbrotbauweise errichtet. Heute sind die Schäden an dem mehr als sieben Jahrzehnte alten Bauwerk unübersehbar.

 

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