"Man muss alle Dorfgemeinschaftshäuser betrachten"

Veröffentlicht am 03.08.2019 in Kommunalpolitik

SPD und Grüne erklären ihre Entscheidung zum DGH-Büttendorf

In der Ratssitzung am 03.07.2019 haben die Hüllhorster Ratsfraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen durch einen gemeinsamen Antrag die Neubaupläne für ein Dorfgemeinschaftshaus in Büttendorf gestoppt und die grundlegende Sanierung des vorhanden Raumes gefordert. Diesem Vorhaben stimmten auch die UHUs und die FDP zu. Die CDU sowie Bürgermeister Bernd Rührup haben sich enthalten. Damit wurde der Antrag ohne Gegenstimmen beschlossen.

In den folgenden Tagen entwickelte sich eine teils hitzig geführte Debatte in den sozialen Medien und beim Ortsteiltreffen in Büttendorf. Nachdem sich die Gemüter nun wieder beruhigt haben, wollen beide Parteien in einer Stellungnahme noch einmal das Thema aufgreifen und erklären, was sie zu diesem Schritt bewogen hat.

Nachdem der Kellerraum in der Büttendorfer Schule 2016 wegen Feuchtigkeitsschäden geschlossen wurde, gab es einen Sanierungsvorschlag der Gemeindeverwaltung, der eine grundlegende Sanierung von innen und außen bei Kosten von 120.000 Euro vorsah. Dem gegenüber stand ein Vorschlag der Dorfgemeinschaft, der eine Sanierung des feuchten Mauerwerkes von innen bei Kosten von 35.000 Euro vorsah. Mehrere Parteien waren damals nicht bereit, dem Gemeindevorschlag zuzustimmen und 120.000 Euro Eigenmittel in diesen Kellerraum zu investieren. Bevor es zu einem Beschluss kommen konnte, stellte die Verwaltung in Absprache mit der Dorfgemeinschaft einen Förderantrag für einen Neubau. In diese Absprachen war die Politik nicht eingebunden. Im Sommer 2018 wurde vom Land NRW eine Förderung in Höhe von 250.000 Euro zugesagt, weitere 100.000 Euro waren inzwischen durch einen privaten Sponsor in Aussicht gestellt worden. Daraufhin beschloss der Gemeinderat in der Ratssitzung im November 2018, die Maßnahme mit Gemeindemitteln in Höhe von 35.000 Euro, die auch der günstigere Sanierungsvorschlag gekostet hätte, zu unterstützen. Vor der letzten Ratssitzung im Juli zeigte sich jedoch, dass der geplante Neubau bis zu 550.000 Euro kosten würde und damit der Gemeindeanteil nicht 35.000, sondern bis zu 200.000 Euro betragen würde. Das war der Moment, in dem die Fraktionen von SPD und Grünen gemeinsam die Notbremse gezogen haben. Beide Parteien sind der Meinung, dass man bei einer so hohen Einzelinvestition alle DGH‘s betrachten muss.

Von fünf Dorfgemeinschaftshäusern in der Gemeinde sind mit Büttendorf, Bröderhausen und Oberbauerschaft drei in einem teils schlechtem Zustand. „Wir können nicht an einer Stelle bis zu 200.000 Euro investieren und an anderer Stelle das Gebäude schließen. Eine grundlegende Sanierung oder der Neubau aller drei Standorte ist finanziell ebenso nicht vertretbar, außerdem sprechen die seit Jahren rückläufigen Nutzungszahlen dagegen“, so die beiden Fraktionsvorsitzenden Frank Picker und Jürgen Friese. Ein weiterer Punkt war, dass man sich im Fall eines Neubaus in Büttendorf nach einem eventuellen Ende der schulischen Nutzung von dem alten Schulgebäude getrennt hätte. Dies wollten viele Büttendorfer und auch der private Sponsor nicht. Daher wird nun der vorhandene Raum mit 35.000 Euro Gemeindeanteil und der privaten Unterstützung von inzwischen zwei Sponsoren grundlegend von innen und außen saniert und danach in Eigenregie von der Dorfgemeinschaft betrieben.

Das Dorfgemeinschaftshaus in Bröderhausen kann in der derzeitigen Form ausschließlich für die örtliche Vereinsnutzung weiterbetrieben werden. Das Gebäude in Oberbauerschaft soll verkauft werden, aber erst nachdem für die beiden derzeitigen Nutzer, die Dorfkapelle und den AMC, neue Räume gefunden wurden.

Im Zuge der Diskussion gab es auch Kritik an der Sanierung des Dorfplatzes am DGH in Holsen. Auch hierzu haben beide Parteien eine klare Meinung: Die Dorfgemeinschaftshäuser in Schnathorst und Holsen haben mit Abstand den höchsten Gebäudewert und sind behindertengerecht eingerichtet. Nur hier soll auf Dauer noch eine private Anmietung für Geburtstage, Hochzeiten usw. möglich sein. Dafür ist es erforderlich, dass die Außenbereiche an den beiden Standorten so gestaltet werden, dass eine Mitbenutzung bei größeren Veranstaltungen möglich ist. Besonders der alte Schulhof in Holsen ist über 40 Jahre alt und in einem baulich sehr schlechten Zustand, darum hier die Sanierung. „Die private wie auch die Vereinsnutzung an unseren derzeit fünf Standorten ist seit vielen Jahren rückläufig, dem entgegen stehen hohe Sanierungs- und Unterhaltungskosten. Wenn wir das jetzt nicht in einem Gesamtkonzept betrachten, läuft uns das finanziell aus dem Ruder“ sind sich die Fraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen einig.

 

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